Tradition neu definiert: Frühjahrskonzert voller Erfolg

Eine voll besetzte Halle, spielfreudiges Orchester, anspruchsvolle Stücke, begeistertes Publikum und langer Applaus – das sind die Zutaten für ein erfolgreiches Konzert. So gesehen hat das Frühjahrskonzert des Musikvereins „Lyra“ Eschringen am 26. April allen Beteiligten, Gästen und Zuhörern viel Freude bereitet. Die Erwartungen an die Musikerinnen und Musiker waren auch hoch. Immerhin wurde nach über einem Vierteljahrhundert die Konzert-Tradition neu ausgerichtet: statt des obligatorischen Adventskonzerts im Dezember, verortete Dirigent Jürgen Nisius das Konzert in den April und gab dem ganzen ein Motto, das sich wie ein roter Faden durch den Abend zog: Filmmusik trifft bekannte Melodien. In der durch Bühnentechnik und Sonnenschutzblenden aufgewerteten Eschringer Sporthalle startete das Orchester mit „Montana Fanfare“, einer zeitgenössischen Komposition, die gleich zu Beginn einen markant-wuchtigen Auftakt bildete. Ein inszenatorischer Hingucker war das Projizieren von Bildern auf eine Großbildleinwand hinter der Bühnenmitte. Zu jedem Stück wurden somit einige ausgewählte Sequenzen per Beamer und PC eingespielt, um die musikalische Dramaturgie sowie die persönliche Vorstellungskraft zu erhöhen. In diesem Sinne also bestes Kopf-Kino. Es folgte „Piraten der Karibik“ aus dem gleichnamigen Film mit der heroischen Musik des deutschen Komponisten Klaus Badelt. Ein Höhepunkt war sicher die Musik zu „Der mit dem Wolf tanzt“. Wer den Film gesehen hat, spürt etwas von der epischen Weite und dem monumentalen Charakter dieser Musik – Gänsehaut inklusive. Ganz anders dazu die Melodie von „Miss Marples“. Eher heiter-beschwingt und sehr kurzweilig, aber direkt ins Ohr gehend. Im Anschluss daran stand „James Bond“ auf dem Programm. Kaum eine andere Melodie in der Geschichte des modernen Films war (ist und bleibt) die prägnante Eröffnung des James Bond Themas. Im Original mit einer E-Gitarre gespielt, hier vom Lyra wunderbar von Holz und Blech umgesetzt. Weitere Songs waren ‚Goldfinger‘, ‚Der Spion, der mich liebte‘, ‚Skyfall‘ und ‚Live and let die‘. Das letzte Stück des ersten Teils war „Great movie marches“, also „Bekannte Filmmärsche.“ Auch hier wurde wieder Hollywood-Feeling verbreitet mit ‚The River Kwai March‘, ‚The Elephant Song‘, ‚Star Trek‘ und ‚The Raiders March‘. Nach der Pause ging es weiter mit der Schlagzeug-Formation „Drumargeddon“. Darin zeigten vier Schlagwerker, dass sie eben nicht nur draufhauen, sondern tatsächlich auch spielen können – und wie: sehr rhythmisch, sehr anspruchsvoll, sehr diszipliniert. Da stand beim Applaus die ehrwürdige Sporthalle Kopf! Weit gemächlicher ging es dann mit „An der schönen blauen Donau“ weiter, einem Meisterwerk aus der Feder von Johann Strauß, Sohn. Das Stück war voller Tempi-Wechsel, lange Walzer, schnelle Walzer und einem überragenden Finale. Mit ca. 10 Minuten Spielzeit sicherlich auch das längste Stück des Abends. Von der Donau ging es nonstop in die faszinierende Welt der Alpen. Mit „Klang der Alpen“ gelang es Kurt Gäble, den Zuhörer auf eine Reise mit durch die Alpen zu nehmen. Die Alpen als Kulturraum, in welcher das Element Wasser eine zentrale Rolle spielt, aber auch Flora und Fauna. Der Mensch als Nutzer dieser Bergwelt, der jahrhundertealte Bräuche und Traditionen aufrecht erhält, um das empfindliche Öko-System nicht zu schädigen. Gewaltige Ansprüche an den Komponisten, so etwas musikalisch zum Ausdruck bringen zu können. Der Lyra gab sein Bestes, dieses umzusetzen. Danach war das Trompeten-Register gefragt. „Oh mein Papa“ für vier bis fünf Solo-Trompeten, das Orchester nur Begleitung. Eine souveräne Leistung für dieses oftmals unterschätzte, dafür umso schwierigere Stück. Danach ging es weiter mit „Im weißen Rößl“, der populären Musik des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1960 mit Waltraud Haas und Peter Alexander in den Hauptrollen. Zum Schluss natürlich, wie sollte es anders sein, stand ein Marsch auf dem Programm. Diesmal „Jubelklänge“ von Ernst Uebel (1882-1959). Eine Zugabe musste, wie sollte es anders sein, auch noch her. Und siehe da, „zufällig“ hatten die Musikerinnen und Musiker ein Stück parat: „Deutschmeister-Regimentsmarsch“ von Wilhelm August Jurek (1870-1934). Auch dieses Stück fand Einzug in einen Film: 1955 in „Die Deutschmeister“ mit Schauspiel-Legende Romy Schneider. Ganz zum Schluss dann wurde es noch einmal spektakulär mit „Music“ von John Miles aus dem Jahre 1976. Die Ballade wurde schon damals zum Evergreen und erreichte fortdauernd Spitzen-Platzierungen in den deutschen und britischen Charts. Aber auch dieser Abend muss einmal zu Ende gehen. So bedankte sich der 1. Vorsitzende Hubert Karr ganz herzlich beim kompletten Orchester, den Aushilfsmusikern, Gästen, Freunden, Zuhörern, Gönnern und Sponsoren für die gelungene Veranstaltung. Dirigent Jürgen Nisius tat das Gleiche und attestierte dem Musikverein zugleich ein hohes Maß an Disziplin und Konzentration.

Matthias Wehr
  

Anstehende Termine:

Samstag, 14. Dezember, 15.00 Uhr:
Generalprobe,

Sonntag, 15. Dezember, 18:00 Uhr:
Kirchenkonzert „Kinderaugen“,



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